LEA LANGENFELDER


Performance . Text . Installation . Regie 

 

langenfelder | lichtenberg


Kinder der Olympe – Recherche

Das Künstlerinnenduo Langenfelder & Lichtenberg hat die ehemalige Olympionikin Clara Maurer kontaktiert, die während der Olympischen Spiele 1972 für die Deutsch Demokratische Republik als Mittelstrecken-Läuferin an den Start ging. Maurer war, wie viele der ehemaligen Sportler*innen der DDR, Opfer des staatlich organisierten systematischen Dopings geworden.

Auslöser des Kontakts zwischen den Künstlerinnen und der ehemaligen Läuferin bildet die in einer Fernsehdokumentation erwähnte Information, dass Sportlerinnen der DDR zwecks Leistungssteigerung zu den Olympischen Spielen geschwängert worden seien. In einer ersten Literaturrecherche konnten Langenfelder & Lichtenberg nur sporadisch Informationen zur Thematik finden. Lediglich in einigen Onlineforen fanden sie Beiträge und Diskussionen von Interessierten und eventuell Betroffenen. Aus dieser ersten Phase der Recherche ging hervor, dass ein Grund zur Herleitung einer Schwangerschaft die natürliche Erhöhung des körpereigenen Nandrolonspiegels und die damit einhergehende Leistungssteigerung einer Sportlerin sein könnte: Nandrolon ist ein natürliches anaboles Steroid und disqualifiziert Sportler*innen, außer im Falle einer Schwangerschaft, von der Teilnahme an den Olympischen Spielen.


Foto: Sophie Lichtenberg

Clara Maurer konnte die Annahmen der Künstlerinnen bestätigen und motivierte sie so zu weiteren Recherchen. Langenfelder & Lichtenberg erklären den Ein- und Zugriff eines politischen Systems in den privaten Körper, und beispielhaft das systematische Schwängern zwecks Doping, zum Gegenstand ihres neuen künstlerisch forschenden Projekts. Über die direkte Kontaktaufnahme mit Zeitzeug*innen und Expert*innen untersuchen sie die Rolle der Sportlerinnen im Kontext der internationalen Masseninszenierung der Olympischen Spiele und stellen sie in den Kontext politischer und feministischer Debatten. Den weiblichen Körper untersuchen sie dabei insbesondere im Spannungsfeld zwischen Unterwerfung und Emanzipation.

Die Ergebnisse ihrer Recherche übersetzen die Künstlerinnen gemeinsam mit dem Fotografen Tim Fischer in inszenierte Fotografien, die durch kurze Texte begleitet werden. Im Anschluss erarbeiten die Künstlerinnen ein auf ihre Arbeit aufbauendes Ausstellungsformat.

Einen ersten Einblick ins Projekt gewährt das Duo im Februar 2019 im Kunstverein Bruchsal.

Die Recherche wird durch den Fonds Darstellende Künste finanziert.


 

KINDER DER OLYMPE - Runde 1

Sprintende und turnende Diplomatinnen auf der Aschebahn und am Schwebebalken - die Anzüge aus ultramarinblauem Polyester. Willkommen in Olympia, dem Ort, an dem Sportlerinnen sich selbst überrunden und politische Utopien Wirklichkeit werden. Willkommen auf einer Bühne der Politik und im Leben einer Schauspielerin, der Sportlerin!

KINDER DER OLYMPE Runde 1 im Kunstverein „Das Damianstor“ ­Bruchsal ­befasst sich mit der Rolle der Sportlerin im politischen Spektakel der ­Olympischen Spiele. Hierzu untersuchte das Künstlerinnenduo­Langenfelder & Lichtenberg das Sport- und Dopingsystem der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Ihren Fokus setzten sie dabei auf den Verdacht des Schwangerschaftsdopings: Laut diesem sollen Athletinnen im Rahmen staatlich organisierter Dopingprogramme zu den Spielen geschwängert worden sein. Grund dafür war eine mögliche Leistungssteigerung durch die in der frühen Schwangerschaft auftretenden körperlichen Veränderungen.


Foto: Tim Fischer

Die Ausstellung betrachtet folglich die Frau und ihren Körper als mögliche Waffe des Staats und untersucht am Beispiel des Sports das Spannungsverhältnis zwischen Emanzipation in einem und Unterwerfung unter ein politisches ­System. Dabei werfen die Künstlerinnen Fragen nach physischen, psychischen, ethischen und moralischen Grenzen des Sports im Griff der Politik auf.

KINDER DER OLYMPE Runde 1 ist eine installative Kunstausstellung und gleichzeitig Ausschnitt und Zwischenstand aus der fortlaufenden Recherche von Langenfelder & Lichtenberg. Wie auch in früheren Arbeiten führten die Künstlerinnen zahlreiche Interviews. Ihre Gesprächspartner*innen waren sowohl Zeitzeuginnen und -zeugen als auch Expertinnen und Experten aus den Bereichen Sport, Sportwissenschaft, Frauen- und Sportmedizin, Dopingforschung und ­geschichte.

Dieses Projekt wurde gefördert durch den Fonds Darstellende Künste und den Lions Club Bruchsal Schloss.


KONZEPT Lea Langenfelder & Sophie Lichtenberg
TEXT Lea Langenfelder
SZENOGRAFIE Sophie Lichtenberg
MODELL Karolina Lesna, Christina Bauernfeind
SOUND Volker Hartmann Langenfelder
SPRECHERIN Stefanie Steffen
FOTOGRAFIE Tim Fischer
UNTERSTÜZENDE MITARBEIT Sebastian Arnd, Laura Fußer, Tobias Keilbach, Norina Quinte

ERÖFFNUNG 3.2.2019, 11 Uhr, im Kammermusiksaal des Bruchsaler Schlosses im Anschluss VERNISSAGE im Damianstor.

GEÖFFNET 9.2.2019 bis 2.3.2019, Samstags 14 - 17 Uhr und Sonntags 11 - 17 Uhr.

Kunstverein Das Damianstor Bruchsal e.V.
Schönbornstraße 11
76646 Bruchsal


 

Preenacting Reenacments - Recherche

Die Künstlerinnen Lea Langenfelder und Sophie Lichtenberg (http://sophielichtenberg.de) haben Kontakt zur Bundeswehr im fränkischen Hammelburg aufgenommen. Hier, im VN Ausbildungszentrum, werden Journalist*Innen von Soldat*Innen der Bundeswehr auf den Auslandseinsatz in Krisengebieten vorbereitet. Solch ein Lehrgang umfasst acht Tage gespielten Krieg mit scharfen Waffen, Belehrungen und Entführungsszenarien. Welches Bild von Krieg eröffnet der Lehrgang in Hammelburg seinen Teilnehmenden? Wie veranschaulicht das VN Ausbildungszentrum den Krieg, in Verzicht auf massenmediale Methoden und Plattformen wie Zeitungen und Internet?

Langenfelder und Lichtenberg erklären den für Journalist*Innen gespielten Krieg in Hammelburg zum Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit „Preenacting Reenactments“, in der sie die Frage nach einem Weg der Kriegsrezeption, abseits von gängigen massenmedialen Repräsentationen stellen. Hierzu begleiten die Künstlerinnen einen Lehrgang der Bundeswehr als Hospitantinnen, untersuchen den zweckgebundenen Umgang mit immersiven Strategien im nicht-künstlerischen Kontext der Übungen in Hammelburg. In diesem Zuge führen sie Interviews mit ehemaligen und aktiven Soldat*Innen und Teilnehmenden, sammeln Artefakte, Töne, Geschichten, Texte und Bilder. Aktuelle, themenspezifische Wissenschaften aus den Bereichen Spieltheorie und Theater werden den Ergebnissen gegenüber gestellt und eröffnen so einen interdisziplinären Dialog. Darüber hinaus dokumentieren die Künstlerinnen ihren prozessualen Umgang mit dem Recherchematerial und stellen dies Interessenten auf einem Blog (https://preenactingreenactments.tumblr.com/) frei zur Verfügung. Anschließend an ihre Untersuchungen in Hammelburg entwickeln sie darauf aufbauend eine Installation, die 2018 im 2OG (https://www.2og-website.com/) in Berlin zu sehen sein wird.


(Bild zum Vergrößern bitte anklicken)

Preenacting Reenactments wird fotografisch und filmisch durch die Künstlerin Lisa Bergmann begleitet.

Das Projekt wird gefördert vom Fonds darstellende Künste (https://www.fonds-daku.de/foerderungen-2017-foerderrunde-1/).


 

Fiktionsfabrik
09. – 11. November 2017, Luis Leu Karlsruhe

Willkommen in Hammelburg,
willkommen in der Simulation,
willkommen in einer Fabrik der Fiktion – deiner Realität.


Foto: Sophie Lichtenberg

Lea Langenfelder und Sophie Lichtenberg haben ein von der Bundeswehr ausgerichtetes Training begleitet, das JournalistInnen auf die Arbeit in Krisengebieten vorbereiten soll. Anschließend an ihre neunmonatige Recherche Preenacting Reenactments präsentieren sie einen ersten künstlerischen Kommentar zu den partizipativen Übungen der deutschen Bundeswehr. In ihrer Ausstellung reflektieren die Künstlerinnen Macht und Wirkmechanismen inszenierter Erfahrungen und immersiver Formate. Dabei interpretieren sie das militärische Übungsgelände in Hammelburg als Fiktionsfabrik und fragen, wie Wirklichkeit und Fiktion einander beeinflussen.


Foto: Sophie Lichtenberg

Konzept: Lea Langenfelder und Sophie Lichtenberg
Performance: Tabea Panizzi
Sound: Philippe Mainz
Grafik: Xenia Fastnacht


Foto: Sophie Lichtenberg

Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Landesbank Baden-Württemberg und Theater Performance Kunst Rampig.


 

Preenacting Reenactments, bespielte Rauminstallation
15.03 – 07.04.2018, 2 OG, Alte Münze Berlin

Das 2 OG in der Alten Münze Berlin zeigt die bespielte Rauminstallation Preenacting Reenactments der Künstlerinnen Lea Langenfelder und Sophie Lichtenberg. Zwischen Paradeuniform und Krisengebiet, zwischen Heldentum und Kampfeinsatz, zwischen Immersion und Wirklichkeit liegt Hammelburg – das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum der Bundeswehr.


Foto: Jascha Kretschmann

Die Künstlerinnen Sophie Lichtenberg und Lea Langenfelder haben dort ein Training begleitet, das Journalistinnen und Journalisten auf die Arbeit in Krisengebieten vorbereiten soll. Preenacting Reenactments ist das Ergebnis einer umfangreichen Forschungsarbeit entlang der Schnittstelle zweier Welten, die zunächst keine Berührungspunkte erwarten lassen.


Foto: Jascha Kretschmann

Ausgehend von der Methodik immersiver und partizipativer Formate in Darstellender wie Bildender Kunst auf der einen sowie des simulierten Ernstfalls zu Ausbildungszwecken auf der anderen Seite, entwickelten Langenfelder und Lichtenberg einen Balanceakt zwischen Realität und Fiktion.

Interview Langenfelder / Lichtenberg auf Flux FM, Radio Arty.

Auf 200 Quadratmetern entstand eine von drei Performerinnen bespielte Rauminstallation, die Macht- und Wirkmechanismen simulierter Erfahrungen hinterfragt. Preenacting Reenactments interpretiert das militärische Übungsgelände als Fiktionsfabrik und untersucht die Möglichkeit, aus konstruierten Erfahrungswerten Erkenntnisse für die Wirklichkeit abzuleiten. Militärs als Darsteller, leerstehende Gebäude als Kulisse oder gar Statisterie: Die Inszenierung auf dem Truppenübungsplatz ist von opernhafter Opulenz. Doch wird dieser artifiziellen Wirklichkeit ausreichend Macht zu eigen, um die Realität zu beeinflussen? Und kann ein Kunstprojekt, das die gewohnten Grenzen zwischen Darstellenden und Zusehenden auflöst, vergleichbaren Einfluss entwickeln?


Foto: Jascha Kretschmann

Die künstlerisch kommentierende Ausstellung basiert auf einer neunmonatigen Recherche, die Langenfelder und Lichtenberg auf ihrem Forschungsblog dokumentieren. Zudem entstand ein Arbeitsbuch, das weitere Rezeptionsebenen zur Ausstellung eröffnet und geführte Interviews sowie philosophisch wissenschaftliche Assoziationen dokumentiert und anstößt.


Foto: Jascha Kretschmann

Preenacting Reenactments wird auf der Ausstellungsfläche des 2 OG – CONTEMPORARY OPPORTUNITIES der Alten Münze Berlin präsentiert. Das 2 OG versteht sich als experimentelles Zentrum unabhängiger Kulturproduktion in der Alten Münze in Berlin-Mitte, das Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Kreativen einen Arbeits- und Präsentationsraum zur Verfügung stellt. Im Zentrum stehen dabei interdisziplinäre Ideen für eine bessere, gut aussehende Zukunft, Stadt und Gesellschaft sowie die Entwicklung und Öffnung des Areals der Alten Münze.


Foto: Jascha Kretschmann


Foto: Jascha Kretschmann


Foto: Jascha Kretschmann


Foto: Jascha Kretschmann


Foto: Jascha Kretschmann

 

Geöffnet:
Vernissage Donnerstag 15. März, 19:00-23:00 Uhr
Freitag, 15. März, bis Freitag, 06. April,
immer von Donnerstag bis Sonntag, 14:00-20:00 Uhr
Finissage 07. April, 14:00-23:00 Uhr

Konzept: Lea Langenfelder, Sophie Lichtenberg
Szenografie: Sophie Lichtenberg
Text: Lea Langenfelder
Performance: Georg Weislein, Edith Kaupp, Tabea Panizzi
Sprecher: Nils Kirchgeßner
Kostüm: Saskia Juliane Kummle
Sound: Philippe Mainz

Gefördert durch den Senat für Europa und Kultur Berlin

Wir sind Partner von Theaterscoutings Berlin, ein Angebot, das Sie durch die Freie Szene begleitet. Das monatlich wechselnde Programm finden Sie unter www. theaterscoutings-berlin.de.